A C1 essay on what a price leaves out: which costs get attributed to whom, told through dense nominalisation and passive alternatives like lässt sich and aufzukommen hat.
Ein Preis gilt als das ehrlichste Signal, das eine Volkswirtschaft kennt. Er fasst zusammen, was unzählige Beteiligte über Knappheit, Aufwand und Nachfrage wissen, und er tut das in einer einzigen Zahl. Gerade diese Verdichtung ist seine Stärke — und der Grund, warum ihm regelmäßig mehr zugetraut wird, als er zu leisten vermag.
Denn was in den Preis eingeht, ist keine Frage der Natur, sondern eine der Zurechnung. Kosten, die niemandem zugeschrieben werden, erscheinen in keiner Kalkulation. Der Boden, der verbraucht wird, das Grundwasser, das sinkt, die Straße, die sich abnutzt: All das lässt sich nur dann im Preis wiederfinden, wenn zuvor entschieden wurde, dass jemand dafür aufzukommen hat. Diese Entscheidung ist politisch, auch dort, wo sie nie ausdrücklich getroffen wurde.
Man hört dagegen häufig, der Markt werde das schon regeln. Das ist insofern richtig, als er alles regelt, was ihm mitgeteilt wird — und nur das. Ein Signal, das nicht gesendet wird, kann nicht empfangen werden. Der Preis ist folglich kein Thermometer, das eine vorhandene Temperatur abliest, sondern ein Ergebnis: Er zeigt an, was zuvor in ihn hineingerechnet worden ist.
Daraus folgt keine Absage an Preise. Eine bessere Steuerung als über sie ist nicht in Sicht, und wer sie ersetzen wollte, müsste erklären, wodurch. Wohl aber folgt eine gewisse Zurückhaltung gegenüber dem Satz, etwas sei „zu teuer“. Zu teuer wofür, gemessen woran, und wer trägt den Teil, der nicht im Preis steht?
Answer this one with a free account
It takes a moment, it costs nothing, and Helfen starts remembering what you keep getting wrong.