Es gehört zu den Widersprüchen unserer Zeit, dass ausgerechnet das Nichtstun als Leistung gefeiert wird. Ganze Bücher erklären, wie man richtig entspannt, Apps zählen die Minuten der Stille, und wer am Wochenende nichts vorhat, fühlt sich schnell schuldig.
Dabei war das Nichtstun früher selbstverständlich. Man saß auf einer Bank, schaute den Tauben zu und dachte an nichts Bestimmtes. Heute erscheint uns dieselbe Handlung fast verdächtig — als hätten wir etwas Wichtigeres versäumt.
Vielleicht liegt der eigentliche Luxus deshalb nicht im Tun, sondern im Lassen: in der Fähigkeit, eine leere Stunde auszuhalten, ohne sofort zum Handy zu greifen. Wer das übt, entdeckt womöglich, dass Langeweile keine Leere ist, sondern der Raum, in dem neue Gedanken entstehen.