A B2 reading text on third places and loneliness — nominalisation, Konjunktiv II and the zwar…aber structures that keep an argument honest.
Zwischen Wohnung und Arbeitsplatz liegt ein dritter Ort: das Café, in dem man niemanden trifft und trotzdem nicht allein ist, die Bibliothek, das Vereinsheim, die Bank vor dem Supermarkt. Verbindend ist, dass man dort sein darf, ohne etwas vorzuhaben.
Genau diese Orte werden seltener. Mieten steigen, Gaststätten schließen, und wo neu gebaut wird, entsteht selten etwas, das keinen Umsatz macht. Übrig bleiben Räume mit Eintritt: Man sitzt, solange man konsumiert.
Der Zusammenhang mit Einsamkeit ist weniger direkt, als er klingt. Niemand wird durch ein Café automatisch weniger einsam. Aber Bekanntschaften entstehen fast nie durch Verabredung, sondern durch Wiederholung — man sieht dieselben Gesichter, bis aus Gesichtern Bekannte werden. Wo es keinen Ort gibt, an dem man sich zufällig wiedersieht, muss jede Begegnung geplant werden, und geplant wird bekanntlich weniger, als man sich vornimmt.
Deshalb wäre es klug, dritte Orte als Infrastruktur zu behandeln — wie Straßenlaternen, die sich auch nicht rechnen müssen. Eine beheizte Bibliothek mit langen Öffnungszeiten ist billiger als das, was Einsamkeit später kostet. Zwar lässt sich Gemeinschaft nicht verordnen; man kann ihr aber einen Raum lassen, in dem sie überhaupt entstehen kann.
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